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Mensch werde wesentlich

... im Lauschen auf den Atem, in der Stille und dem Frieden während der Meditation oder Entspannung ihren Ausdruck findet.

Frieden – daran mangelt es in der Welt. Es ist eine Zeit der Ruhelosigkeit, der Angst und Sorge. Umso bedeutungsvoller erscheint es mir, mich immer wieder in die Stille zurückzuziehen, um meine wahre Natur zu entfalten, die voller Frieden ist.

Das Gedicht Der Spruch des Expressionisten Ernst Stadler (1883 - 1914) , das in der berühmten Gedichtsammlung
Der Aufbruch (1914) zu finden ist, weist auf unsere eigentliche Bestimmung als Mensch hin. Es beginnt mit den Worten:

 

In einem alten Buche stieß ich auf ein Wort,
Das traf mich wie ein Schlag und brennt durch meine Tage fort:

 

Das Wort, das hier so kraftvoll im Dichter anklingt, bezieht sich auf ein Epigramm des Mystikers Angelus Silesius

(1624 - 1677):

 

Mensch werde wesentlich: denn wann die Welt vergeht,
So fällt der Zufall weg, das Wesen, das besteht.

 

Diese Zeilen, die das Ende des tiefsinnigen Gedichts Stadlers bilden, weisen auf etwas hin, das uns allen gemeinsam ist und für das es viele Namen gibt: das Göttliche, die Buddha Natur, Brahman, Allah u. a.

 

In einem alten Buche stieß ich auf ein Wort,
Das traf mich wie ein Schlag und brennt durch meine Tage fort:
Und wenn ich mich an trübe Lust vergebe,
Schein, Lug und Spiel zu mir anstatt des Wesens hebe,
Wenn ich gefällig mich mit raschem Sinn belüge,
Als wäre Dunkles klar, als wenn nicht Leben tausend wild verschloßne Tore trüge,
Und Worte wiederspreche, deren Weite nie ich ausgefühlt,
Und Dinge fasse, deren Sein mich niemals aufgewühlt,
Wenn mich willkommner Traum mit Sammethänden streicht,
Und Tag und Wirklichkeit von mir entweicht,
Der Welt entfremdet, fremd dem tiefsten Ich,
Dann steht das Wort mir auf: Mensch, werde wesentlich!

Mögen alle Menschen ihre wahre Natur zum Erblühen bringen.