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Satya-Yoga Aufbau-Ausbildung 26. Tag: Dreifuß und Bhagavad-Gita

Der Dreifuß – Vorstufe zum Kopfstand
An diesem Tag unterrichtet uns Birgit. In der Yoga-Morgenpraxis lernen wir den Dreifuß kennen, in dem das Oben zum Unten wird und der Anfang zum Ende. Eine wunderbare Übung für das erste Ausbildungswochenende im neuen Jahr. Eine weitere Dimension des Yoga. Aber gelingt der Sprung ins Neue auch?

Ich bin erstaunt, mit welcher Leichtigkeit ich in dieser Asana ankomme – und mit Genuss und Freude verweilen kann. Es gelingt mir sogar, ohne Anstrengung die Beine von den Armen zu lösen. Wow! Was für ein Körpergefühl! Alles steht kopf! Jetzt ist es nur noch ein kleiner Schritt, die Beine ganz in den Himmel zu strecken.

Ausführung des Dreifußes
Der Dreifuß verdankt seinen Namen den drei Auflageflächen am Boden. Du stehst auf beiden Händen und dem Kopf. Bisweilen wird der Dreifuß auch Krähe genannt. Und so kommst du in die Asana:

Aus dem Kniestand lege deine Hände schulterbreit vor dir am Boden ab. Bringe achtsam den Haaransatz deines Kopfes vor deinen Händen auf den Boden. Hände und Kopf bilden nun ein gleichseitiges Dreieck. Gleite mit deinen Knien behutsam nach vorn, strecke deine Beine wie im herabschauenden Hund und setze deine Knie sanft auf deinen Ellbogen ab.
Wenn du dich im Dreifuß sicher fühlst, kannst du versuchen, deine Beine von den Ellenbogen zu lösen und angewinkelt anzuheben, sodass deine Oberschenkel auf deinem Bauch ruhen. Richte deine Aufmerksamkeit auf deine Stirn, dem Punkt zwischen deinen Augenbrauen, das sechste Chakra beziehungsweise Dritte Auge (Ajna).
Als Ausgleichsübung bietet sich die Totenstellung (Shavasana) an.

Körperliche Wirkung des Dreifußes
Der Dreifuß wirkt ähnlich wie der Kopfstand. Die Asana unterstützt den Kreislauf, fördert die Zwerchfellatmung, löst Spannungen im unteren Rücken, kräftigt die Wirbelsäule und den Nacken, fördert die Durchblutung des Gehirns, klärt die Gedanken und schärft das Gedächtnis, entlastet das Herz, wirkt ausgleichend auf das Nerven- und Hormonsystem, löst Ängste, unterstützt die Funktion der Sexualorgane, stärkt die Psyche und hält Körper und Geist jung.

Kontraindikationen
Den Dreifuß solltest du während der Schwangerschaft und bei folgenden Beschwerden meiden oder nur nach Absprache mit deinem/deiner Yoga-Lehrer*in praktizieren: Augenerkrankungen, akute Kopfschmerzen, Entzündungen im Kopf und Mundbereich, Erkrankungen der Halswirbelsäule, Herzerkrankungen sowie hohem und niedrigem Blutdruck.

Auszüge aus der Bhagavad-Gita
Nach der Yoga-Praxis widmen wir uns der Bhagavad-Gita. Da ich an dem Unterrichtsgespräch leider nicht teilnehmen konnte, lasse ich an dieser Stelle Monika Lindhorst, eine Teilnehmerin der Ausbildung, sprechen, die eine wunderbare Zusammenfassung des Nachmittags verfasst hat:

"Die Bhagavad-Gita, die von Indern meist gelesene heilige Schrift, vergleichbar bedeutsam mit unserer Bibel, handelt vom Krieg zwischen den Kauravas und Pandavas, zwei miteinander verwandten Geschlechtern, die aufgrund von Erbschaft und Machtstreben in Streit geraten sind.


Kernstück der Gita ist das Gespräch zwischen Arjuna, dem größten Helden und Bogenschützen seiner Zeit, und dem Gott Krishna, seinem Wagenlenker auf dem Schlachtfeld. Arjuna lässt sich kurz vor dem Kampf von Krishna zeigen, gegen wen er kämpfen soll. Als er realisiert, dass es seine eigenen Verwandten sind, die ihm als Feinde gegenüber stehen, bricht er zusammen und sieht sich nicht mehr dazu in der Lage, den Kampf anzutreten. 


An dieser Stelle beginnt die Unterweisung seines Lehrers Krishna, der ihn daran erinnert, dass es sein Dharma und Karma ist, der größte Held seiner Zeit zu sein und dass er damit der Pflicht unterliegt, seiner Bestimmung zu folgen, -  im Sinne der Befreiung und des Ausgleichs des aus den Fugen geratenen Gleichgewichts des Weltgeschehens.
Krishna unterweist Arjuna in der Erkenntnis über die Unsterblichkeit der Seele und in der Aufhebung der Dualität von Gut und Böse im Angesicht des Göttlichen und ermutigt ihn, das Schlechte in der Welt, seine Feinde in dieser Situation, zu töten.


Die Gita, so lernen wir in der gemeinsamen Auslegung mit unserer Ausbilderin Birgit Lukasczyk, kann interpretiert werden als Hinweis auf den inneren Kampf des Menschen zwischen den Prinzipien unseres Egos und Machtstrebens auf der einen Seite und der inneren Befreiung und Überwindung des (selbsterzeugten) Leids auf der anderen Seite. Sinnbildlich stehen die Kauravas für die egomanischen Prinzipien, die Pandavas für die andere Seite des Strebens nach Aufhebung des Leids, der Verstrickungen und des Unfriedens durch rechtes Handeln.


Krishna weist Arjuna auf die spirituelle Ebene hin, dass das Göttliche jenseits aller Widersprüchlichkeiten ist und dass er diese edle Wahrheit nicht zuletzt auch durch den Schatz des Yoga finden kann. Der Yoga gilt ihm als ein richtiger Weg zur Aufhebung der Dualität, um Samadhi, die Vollendung und Erleuchtung, zu erlangen. Dabei geht es auch um die Auseinandersetzung mit den drei Gunas (Prinzipien): Tamas (Unbeweglichkeit), Rajas (Überaktivität), Sattva (Ausgeglichenheit).


Im Verlaufe unserer Interpretation nennt uns Birgit zahlreiche Beispiele unserer heutigen Lebenswelt, die darauf übertragbar sind, wie z. B. Süchte und emotionale Verstrickungen des Menschen oder auch das politische Chaos insgesamt auf unserer Welt.


Fazit: Jeder hat die Chance zur Überwindung des Leids. Dadurch, dass er sich seinen Lebensthemen stellt, besteht die Hoffnung auf Befreiung."

(Monika Lindhorst)