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Satya-Yoga Aufbau-Ausbildung 25. Tag: Das Vishuddhi Chakra (Halschakra)

Ich freute mich, dass Andrea in diesem Jahr mit dem Unterricht beginnen würde und staunte nicht schlecht, als sich herausstellte, dass wir uns mit dem fünften Chakra, dem Vishuddi Chakra (Hals-Chakra) beschäftigen würden. Denn dem Vishuddi Chakra wird die Farbe Hellblau zugeordnet – wie das lichte Blau des strahlenden Morgenhimmels.

 

Vishuddi Chakra Sprachrohr des Herzens
Der aus dem Sanskrit stammende Begriff "Vishuddha" bedeutet so viel wie vollkommen gereinigt, geläutert, klar, rein. Das Vishuddhi oder Vishuddha Chakra befindet sich zwischen Halsgrube und Kehlkopf. Da es unsere Herzensqualitäten mit dem Geist verbindet, ist es – voll entwickelt – das Sprachrohr unseres Herzens. Die zentralen Themen des fünften Chakra sind Kommunikation, Selbst-Ausdruck, Wahrhaftigkeit, Integrität, Inspiration, Kreativität und Musikalität. Das Element des Vishuddhi Chakra ist der weite offene Raum, der alles enthält.

 

Gehörsinn – zugehöriger Sinn des Vishuddi Chakra
Der dem Vishuddhi Chakra entsprechende Sinn ist der Gehörsinn, der sich – wie alles Sinnesorgane – beim Fötus bereits im 5. Monat ausbildet. In dieser Zeit beginnt das Ungeborene nicht nur hell und dunkel wahrzunehmen, sondern auch erste akustische Reize – zunächst nur die Geräusche innerhalb des Körpers der Mutter, später auch die außerhalb. Durch Sprechen mit dem Baby oder Singen, Musik und diverse Lichtimpulse kann die Entwicklung des Hals-Chakras beim Fötus unterstützt werden.


Blau wie der Himmel
Da dem Vishuddhi Chakra als Farbe ein lichtes Blau zugeordnet wird, wirken sich alle blauen Edelsteine wie der Aquamarin, der blaue Turmalin oder auch der wunderschöne Larimar (auch Atlantis-Stein genannt) heilsam auf das fünfte Chakra aus. Das Krafttier dieses Energierades ist der weiße, heilige Elefant, in der hinduistischen Mythologie das Reittier (Vahana) des Schöpfergottes Indra.

 

Zugehörige Körperregionen und heilsame Asanas
Die dem Vishuddhi Chakra zugeordneten Körperteile sind alle oberen Atemwege- und -organe, der Hals, die Kehle, der Kehlkopf sowie Nacken, Schultern, Mund, Kiefer und Zähne, die Schilddrüse und die Nebenschilddrüse. Zur Unterstützung und Öffnung des Hals-Chakras eignen sich alle Asanas und Übungen, die der Entspannung des Hals- und Nackenbereichs dienen, diesen strecken, dehnen und weiten, darunter die Katze, die indische Brücke, der Schulterstand oder auch der Fisch. Drehübungen wie das Krokodil im Sitzen kräftigen und dehnen die gesamte Rumpfmuskulatur, Vorbeugen beruhigen die Schilddrüse und rückwärtsgewandte Übungen regen diese an.

Die Geschichte vom Urmeer – Samudra mantha
Zum Abschluss erzählte uns Andrea noch eine kleine Geschichte zur Farbe Blau des Hals-Chakra, eine Geschichte vom Urmeer, die zu den hinduistischen Schöpfungsmythen zählt. Dabei handelt es sich um eine der bekanntesten Episoden des Bhagavatapurana  (Sanskrit: Bhagavata-Purana, frei übersetzt ins Deutsche: "Das alte Buch von Gott"), auch Srimad Bhagavatam genannt, eine heilige Schrift vishnuitischer Prägung, die zwischen dem 10. und 11. Jahrhundert entstand und dem Gott Krishna gewidmet ist. Das Bhagavatapurana besteht aus insgesamt 18.000 Versen, aufgeteilt auf 12 Bücher, die Geschichten von Vishnu und seinen Avataras (körperliche Manifestationen eines Gottes) erzählt. Niedergeschrieben wurde das Werk angeblich von Vyasa, einem mythischen Dichter, der auch die Veden, das Mahabharata und die Puranas verfasst haben soll (siehe dazu meinen Blog-Beitrag "Satya-Yoga Aufbau-Ausbildung 1. Tag: Yoga-Praxis und Philosophie"). Da diese Werke aber aus verschiedenen Epochen stammen, kann es sich bei Vyasa letztlich nicht um dieselbe Person handeln. Auf der Webseite des Ashram "Ananda-Dham" kannst du dir das Srimad Bhagavatam in deutscher Sprache kostenfrei als PDF-Datei herunterladen.

Der schäumende Milchozean
Die Geschichte von Samudra manthan, dem Urmeer, beginnt mit der vedischen Gottheit Indra, der auf seinem Elefanten reitend Durvasa trifft, ein für sein aufbrausendes Temperament bekannter mythischer Weiser. Durvasa ehrt und beschenkt Indra mit einer duftenden Blumenkette, die dieser sich aber nicht selbst um den Hals legt, sondern seinem Elefanten. Der intensive Duft der Blüten irritiert den Elefanten so sehr, sodass er diese abzuschüttelt und zertrampelt. Darüber ist Durvasa dermaßen erzürnt, dass er Indra und alle anderen Adityas (Gottheiten) mit einem Fluch belegt: Indra und alle anderen Gottheiten sollen ihrer Kraft und Energie beraubt werden.

Bitte an Brahman
Daraufhin befürchten die Adityas, dass die Asuras (Dämonen) die Weltherrschaft übernehmen könnten. Somit beten sie zu Brahman, dem Schöpfergott. Brahman erhört ihre Gebete und rät ihnen, den Ozean aus Milch aufzuschäumen, und zwar so lange, bis sie auf den Nektar der Unsterblichkeit (Amrita) stoßen. Doch die Adityas können die mächtige See nicht ohne Hilfe aufwirbeln. Deshalb einigen sie sich mit den Asuras, diese Aufgabe gemeinsam zu lösen.

Um den Milchozean aufzuschäumen, nehmen die Adityas und Asuras den Berg Mandara und die Schlange Vasuki zu Hilfe, die sich in all ihrer Länge um den Berg schlängelt. Während die Adityas und Asuras je ein Ende der Schlange ergreifen und abwechselnd daran ziehen, beginnt der Berg sich zu drehen. Als der Berg langsam anfängt zu sinken, erscheint der Bewahrergott Vishnu, als Schildkröte Kurma, seine dritte Inkarnation, um den Berg zu stützen.

Shiva – Blauhals und Weltenretter

Unerwartet taucht aus dem aufgeschäumten Ozean das tödliche Gift Halahala auf, das alle Welten zu vernichten droht. Doch Shiva erhört die verzweifelten Gebete, die wie ein Ächzen durch die Universen tönen, saugt das tödliche Gift voller Mitgefühl auf, und hält dieses in seiner Kehle zurück, um auf diese Weise das Leben zu retten. Daraufhin verfärbt sich Shivas Hals blau. Deshalb wird Shiva auch Nilakantha (Blauhals) genannt.