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Atmen, du unsichtbares Gedicht!

Atmen, du unsichtbares Gedicht!

Immerfort um das eigne Sein
rein eingetauschter Weltraum. Gegengewicht,
in dem ich mich rhythmisch ereigne.

Einzige Welle, deren
allmähliches Meer ich bin;
sparsamstes du von allen möglichen Meeren, –
Raumgewinn.

Wie viele von diesen Stellen der Räume waren schon
innen in mir. Manche Winde
sind wie mein Sohn.

Erkennst du mich, Luft, du, voll noch einst meiniger Orte?
Du, einmal glatte Rinde,
Rundung und Blatt meiner Worte.

 

Rainer Maria Rilke: Sonette an Orpheus - Kapitel 28; Erstveröffentlichung 1923

Ich wünsche euch von ganzem Herzen eine inspirierende Wintersonnenwende, friedliche Weihnachten, stille,
klare Rauhnächte
und einen kraftvollen Sprung ins neue Jahr.