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Satya-Yoga Aufbau-Ausbildung 21. & 22. Tag: Yoga-Sutra des Patanjali

Die ersten vier Verse des 1. Kapitels des Yoga-Sutra von Patanjali
Nach intensiver Yoga-Praxis widmen wir uns drei Übersetzungsvarianten und Deutungen des Yoga-Sutra von Patanjali. Wir lesen gemeinsam Auszüge aus den Büchern "Quellen des Yoga" von Hartmut Weiss, "Über Freiheit und Meditation" von T. K. V. Desikachar und "Raja-Yoga" von Swami Vivekananda. Dabei beschränken wir uns auf die ersten vier Verse des 1. Kapitels des Yoga-Sutra von Patanjali, die als Zusammenfassung der insgesamt 195 Verse gelten und zu den bekanntesten zählen. Sie erläutern die Bedeutung und Wirkung des Raja Yoga.

Yoga Sutra I-1
atha yoga anuśāsanam - Jetzt (wird) Yoga (erklärt)!

Yoga Sutra I-2
yogas citta vritti–nirodhah - Yoga bringt die Bewegungen des Geistes zur Ruhe.

Yoga Sutra I-3
tadâ drashtuh svarûpe ‘vasthânam – So erkennt der/die Wahrnehmende seine/ihre wahre Natur.

Yoga Sutra I-4
vṛitti sārūpyam itaratra – Andernfalls ist der/die Wahrnehmende mit den Bewegungen des Geistes identifiziert.

Klassische Yoga Literatur
Die oben genannten Autoren übersetzen und erläutern die ersten vier Verse auf ihre ganz eigene Weise und doch bleibt der Kern, die Essenz dieselbe. Da es sich um drei klassische Yoga Bücher handelt, möchte ich diese noch kurz abschließend vorstellen.

In dem Buch "Quellen des Yoga" gibt Yogalehrer Hartmut Weiss das gesamte Spektrum des Yoga wieder - von den religiösen und philosophischen Urschriften bis hin zur Yoga-Praxis. Weiss kombiniert Basistexte der verschiedenen Yoga-Wege (Jnana-Yoga ­ Yoga der Erkenntnis, Raja-Yoga ­ königlicher Yoga, Karma-Yoga ­ Yoga der Tat und Bhakti-Yoga ­ Yoga der liebenden Hingabe). Er bemüht sich, diese praxisbezogen zu übersetzen und zu kommentieren. Als Quellentexte dienen ihm die Shvetashvatara Upanishad, das Yoga-Sutra des Patanjali (inklusive Sanskrit-Text), die Bhagavad Gita und der wichtigste Quellentext des Hatha-Yoga, die vollständige Übersetzung des Hatha-Yoga Pradipika.
(Hartmut Weiss, Quellen des Yoga. Klassische Texte der Körper und Geistesschulung. Theorie und Praxis des Yoga nach den Quellentexten Shvetashvatara Upanishad, Patanjalis Yoga-Sutra, Bhagavad-Gita, Hatha-Yoga-Pradipika. Scherz : Bern, München, Wien 1986)

Der indische Yoga-Lehrer T. K. V. Desikachar versucht in seinem Buch "Über Freiheit und Meditation" eine moderne Einführung in das Yoga-Sutra des Patanjali zu geben. Dabei bemüht sich der Autor, den etwa 2.000 Jahre alten Quellentext dem westlichen Menschen möglichst verständlich zu machen, um die Essenz der Yoga Philosophie leichter ins Leben integrieren zu können. Desikachar verdankt sein Wissen seinem Vater Krishnamacharya, einem der bedeutendsten Yoga-Lehrer der Moderne.
(Über Freiheit und Meditation. Mit CD. Das Yoga Sutra des Patanjali. Eine Einführung, Übertragung und Kommentare von T. K. V. Desikachar Verlag Via Nova, Petersberg 2003)

Das Buch "Raja-Yoga - Mit den Yoga-Aphorismen des Patanjali" von Swami Vivekananda beschreibt die Wirkung der Yoga Asanas auf Körper und Geist. Im ersten Teil des Buches werden Vorträge wiedergegeben, die der indische Guru in den USA hielt. Im zweiten Teil werden die Sutras des Patanjali frei übersetzt und kommentiert.
Swami Vivekananda (1863 - 1909), der mit bürgerlichem Namen Narendranath Datt hieß, war Schüler des bekannten indischen Heiligen Shri Ramakrishna und wurde als dessen Lieblingsschüler sein geistiger Nachfolger. 1886 gründete er den Swami-Orden.
(Vivekananda, Swami, Raja-Yoga - Mit den Yoga-Aphorismen des Patanjali. Esotera / Bauer Verlag, Freiburg im Breisgau 1990)

Parivrtta Janusirsasana – die gedrehte Kopf-Knie-Stellung
Nach so viel Philosophie sehnen wir uns alle nach intensiver Yoga Praxis. Und so nehmen wir uns noch einmal eine meiner Lieblingsübungen vor: die gedrehte Kopf-Knie-Stellung (Parivrtta Janusirasana), eine vorwärtsbeugende Asana, die es in sich hat.

Wirkung der gedrehten Kopf-Knie-Stellung
Die gedrehte Kopf-Knie-Stellung (Parivrtta Janusirsasana) öffnet die Hüften, dehnt intensiv die Flanken, die Zwischenrippenmuskulatur, die Kniesehnen und die hinteren Beinmuskeln. Die Asana stärkt die Bauchorgane und das Zwerchfell, sodass sich die Atemqualität verbessert. Der gesamte Rücken, die Rückenmarksnerven und die Muskulatur werden kräftig durchblutet, sodass sich Verspannungen lösen können bzw. diesen vorgebeugt wird.

Ausführung der Parivrtta Janusirsasana
Du startest in gegrätschter Sitzposition und legst den linken Fuß an die Innenseite des rechten Oberschenkels. Mit dem Einatmen verlängerst du deinen Rücken, beim Ausatmen drehst du deinen Oberkörper nach links und legst deine linke Hand auf die linke Hüfte, während du deinen rechten Unterarm nach rechts zum gestreckten Bein bringst, auf dem Boden an der Innenseite deines rechten Schienbeins ablegt und leicht gegen dieses drückst. Arm und Schienbein bilden jetzt möglichst eine Linie, deine Fingerspitzen zeigen von dir weg.

Beim Ausatmen beugst du dich seitlich über das gestreckte Bein nach vorn und umfasst mit deiner rechten Hand den Fuß. Mit der linken Hand drehst du deine Rippenbögen, streckst den linken Arm über dem Kopf aus und greifst, wenn möglich, die Außenseite deines rechten Fußes. Den Kopf hältst du zwischen deinen Armen. Nun atmest du gleichmäßig in die Dehnung. Mit der Einatmung verlässt du die Asana, um die Übung auf der anderen Seite auszuführen.

Unabhängig davon, ob du die nötige Beweglichkeit für Parivrtta Janusirsasana bereits entwickelt hast, um deinen Fuß greifen zu können oder nicht, fokussiere deinen Geist auf den Raum, den dir diese Übung schenkt, und dehn dich hingebungsvoll in deine