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Satya-Yoga Aufbau-Ausbildung 19. Tag: Rückbeugen - das Yoga Rad

Rückbeugen – physische und psychische Wirkung
Als Traugott ankündigt, dass wir Chakrasana, das Rad, üben werden, sind die Reaktionen sehr unterschiedlich. Einige Teilnehmer*innen zucken zusammen und es kommen Äußerungen wie "Das kann ich nicht!" oder "Das möchte ich gar nicht erst versuchen!" - Aussagen, die wir auch häufig in ganz alltäglichen Situationen treffen, wenn wir uns einem Ereignis nicht gewachsen fühlen. Die gute Nachricht: Rückbeugen können uns helfen, Ängste zu überwinden – nicht nur körperlich, sondern auch emotional.

Sicher, Chakrasana, das Rad, ist eine der herausforderndsten Rückbeugen. Es gibt aber auch leichtere rückwärts gebeugte Asanas, mit deren Übung wir uns den fortgeschrittenen langsam annähern können – dazu zählen die Brücke (Setubandhasana), das Boot (Naukasana), die Kobra (Bhujangasana), der Fisch (Matsyasana), der halbe Bogen (Ardha Dhanurasana), der Bogen (Dhanurasana), der heraufschauende Hund (Urdhva Mukha Shvanasana) und die halbe Heuschrecke (Ardha Salabhasana).

Körperliche Wirkung – Atme!
Wie bei allen Asanas, bedarf es bei der Übung des Yoga Rades nicht nur der Geduld und des Respekt vor sich selbst und den Grenzen des eigenen Körpers, sondern auch der korrekten Ausführung. Bei den rückwärts beugenden Übungen strecken wir uns weit nach hinten, um den Brustkorb zu öffnen. Dabei werden nicht nur der Lungen- und Herzbereich gedehnt, sondern auch die Bauchmuskulatur, die Zwischenrippenmuskeln, die Leisten und die vorderen Oberschenkelmuskeln. Zusätzlich wird die Muskulatur des Rückens gedehnt.

Durch die Übung von Rückbeugen wird die Brustwirbelsäule beweglicher und der gesamte Rumpf geschmeidiger. Verdauungsbeschwerden können gelindert werden und der Atem vertieft sich, sodass der Körper besser mit Sauerstoff versorgt wird und Körper und Geist erfrischt und belebt werden. Der Zellstoffwechsel und die Konzentration nehmen zu. Hinzu kommt, dass Rückwärtsbeugen die Thymusdrüse anregen, die „als Gehirn der körpereigenen Abwehr oder als Schule der T-Lymphozyten“ bezeichnet wird.

Psychische Wirkung – Öffne dein Herz!
Rückbeugen gelten als herzöffnende Asanas. Da der Brustraum sich weitet und der Atem sich vertieft, öffnet sich unser Herz: Nicht heilsame Gefühle, an denen wir unnötig festhalten wie Ängste und Sorgen, sowie heillose Gedankenkonzepte, die uns einengen, können leichter losgelassen beziehungsweise transformiert werden.

Die Yoga-Übung Chakrasana – das Rad
Im Chakrasana sind die Hände und Füße gut geerdet, der Kopf ist nach unten gewandt und der Torso nach oben gestreckt – der Körper formt einen weiten Bogen – das Rad. Ich kenne diese Übung auch aus dem Bodenturnen in der Schule - damals wie heute unter dem Namen „Brücke“ bekannt.

Ausführung des Yoga Rades
Nachdem wir mit einigen leichteren Rückbeugen wie dem herabschauenden Hund, der Acht-Punkt-Stellung und der Kobra die Leistenbänder und den Psoas (Seelenmuskel) gedehnt haben, begeben wir uns in die Rückenlage, um für einige Atemzüge zu entspannen. Als Anfänger*innen starten wir vom Boden aus. Fortgeschrittene Yogis können aus Tadasana (der Berg) oder Shirshasana (Schulterstand) in das Rad kommen.

Anschließend stellen wir die Füße hüftbreit so nah wie möglich am Gesäß auf. Die Beine und Knie sind parallel ausgerichtet und zeigen nach oben. Die Arme werden hinter den Kopf genommen und die Hände neben den Ohren aufgestellt, die Fingerspitzen liegen etwas unter den Schultern und weisen Richtung Füße.

Um in Chakrasana zu kommen, stellen wir uns vor, dass uns ein goldener Faden, der an unserem Bauchnabel befestigt ist, nach oben Richtung Decke zieht bis die Arme in den Ellenbogen so gut wie gestreckt sind. Oberschenkel, Schultern und Arme dehnen sich. Die Atmung geht ruhig und gleichmäßig. Um die Asana zu verlassen, senken wir den Körper langsam wieder zu Boden. Wir kommen in die Rückenlage, strecken Beine und Arme aus und bleiben für einige Atemzüge entspannt auf der Yoga-Matte liegen. Unsere ersten Versuche, Chakrasana zu praktizieren, starten wir mit Unterstützung.

Wirkung von Chakrasana
Chakrasana eignet sich besonders gut bei Haltungsschäden wie dem Rundrücken, da es die Wirbelsäule stärkt und ihr große Flexibilität schenkt. Das Yoga Rad stimuliert die Bauchorgane, vertieft die Atmung und streckt den ganzen Körper. Die gesamte Vorderseite, Oberschenkel, Bauch, Brust, Schultern und Hals werden intensiv gedehnt und zahlreiche Muskeln trainiert. Hände, Arme, Füße und Beine, aber auch das Gesäß werden gestärkt.

Das Sanskrit Wort Chakrasana enthält den Sanskrit Begriff Chakra, das Rad. So wundert es nicht, dass die Asana auch gleich mehrere Chakren aktiviert: das Herz Ckakra (Anahata Chakra), das Solarplexus Chakra (Manipura Chakra) und das Kehlkopf Chakra (Vishuddha Chakra).


Kontraindikationen
Arme und Beine sollten für die fortgeschrittene Übung genügend gekräftigt sein. Bei Verspannungen in Rücken, Nacken oder Schultern sollten die Muskeln mit flexibilitätsfördernden und kräftigenden Asanas erst ausreichend gelockert, gestreckt, gedehnt und entspannt werden bevor es ins Rad geht.

Menschen mit Herzerkrankungen, Bluthochdruck und Schwindel sollten auf die Übung von Chakrasana ganz verzichten.