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Satya-Yoga Aufbau-Ausbildung 8. Tag: Hatha-Yoga-Pradipika und Umkehrübungen

Die Überlieferung des klassischen Hatha Yoga soll laut einer weit verbreiteten Legende auf einen Fisch zurückgehen - passend zur Evolution. Alles Leben kommt aus dem Wasser.

 

Matsyendra – Großer Meister und mythologischer Begründer des Hatha Yoga
Eine Version dieser Legende erzählt, wie der Gott Shiva seiner Gemahlin Parvati, dem inkarnierten weiblichen Pol Shivas, am Strand der Insel Chandradvipa ("Mondinsel") in die Geheimlehre des Tantra einführte. Ein Fischer namens Matsyendra, selbst inkarnierter Meister und Heiliger, verwandelte sich in einen großen Fisch, um dem Lehrgespräch unbemerkt zu folgen.

Eine weitere Version besagt, dass sich Matsyendra sich in einem großen Fisch verkroch, um so die geheime Lehre unbemerkt vernehmen zu können. Als Parvati einschlief, antwortete Matsyendra anstelle der Gemahlin auf Shivas Frage, ob sie schlafe: "Nein, ich bin wach!"
Überrascht entdeckte Shiva den riesigen Fisch und erkannte in ihm Matsyendra. Aus Freude über die Klugheit seines aufmerksam Zuhörers, entschied sich Shiva, Matsyendra vollständig in die Lehre einzuweihen.

So soll Matsyendra der Legende nach nicht nur mythologischer Begründer des Hatha Yoga sein, sondern auch erster menschlicher Yogalehrer. Doch da dies nicht die einzigen Legenden sind, die sich um Matsyendra ranken, lässt sich die historische Person nicht exakt datieren. Es wird angenommen, dass es sich um einen Fischer in Bengalen handelte, der um 600 auf der Insel Chandradvipa, möglicherweise aber auch erst im 10. Jahrhundert lebte.

Avalokiteshvara - Bodhisattva des universellen Mitgefühls
Matsyendra wird seit seiner ersten Erwähnung im 10. Jahrhundert im Tantraloka, dem Hauptwerk des großen indischen Philosophen Abhinavagupta, verehrt. Im Mahayana-Buddhismus kommt ihm als Avalokiteshvara, dem Bodhisattva des universellen Mitgefühls, ebenfalls große Verehrung zu. Der weiblichen Form des Bodhisattva des Mitgefühls ist in China unter dem Namen Guanyin bekannt, in Japan Kannon genannt und in Vietnam Quan Âm.

Hatha-Yoga-Pradipika – Abhandlung zum Hatha Yoga
Matsyendra findet auch im 1. Kapitel der Hatha-Yoga-Pradipika (Hatha-Yoga-Leuchte) Erwähnung, in dem wir an diesem Ausbildungstag gemeinsam lasen. In der im 14. Jahrhundert verfassten Yoga-Schrift, die nach dem Yoga Sutra von Patanjali eine der bekanntesten Abhandlungen zum Hatha Yoga sein soll, stellt sich der Autor Swami Svatmarama in die Reihe seiner Vorgänger, darunter als Erstgenannter auch Matsyendra.
Das Hatha-Yoga-Pradipika ist stark beeinflusst vom Gorakshashataka, die vermutlich älteste erhaltene Schrift zum Hatha Yoga. Goraksha, der Autor und indischer Yogi, lebte zwischen dem 7. und 10. Jahrhundert.
In der Hathayogapradipika werden die Techniken des Hatha Yoga beschrieben sowie die Reinigung des physischen und feinstofflichen Körpers und deren Auswirkung. Bei Interesse kannst du dir die Hatha-Yoga-Pradipika in deutscher Übersetzung auf der Webseite des Förderkreis Mönchengladbach Yogafreunde e. V. komplett kostenfrei als PDF herunterladen.

Umkehrhaltungen – Sarvangasana , der Schulterstand, Königin der Asanas
Abschließend widmeten wir uns noch ausgiebig der Königin der Asanas, dem Schulterstand (Sarvangasana). In dieser Umkehrhaltung ruht das gesamte Körpergewicht auf den Armen und Schultern. Da sich Becken und Beine über dem Herzen befinden, beeinflusst die Schwerkraft den Körper in umgekehrter Form.
Sarvangasana gilt als verjüngende Übung, wirkt auf der körperlichen Ebene beruhigend und regenerierend, normalisiert die Schilddrüsenfunktion, unterstützt die Verdauung, vertieft die Atmung, dehnt den Nacken und oberen Rücken und unterstützt die Flexibilität der Wirbelsäule. Auf geistiger Ebene stellt sich ein Gefühl der Leichtigkeit und Ganzheit ein, das uns hilft, das Leben so anzunehmen wie es ist. Energetisch wirkt Sarvangasana auf das Vishuddha Chakra (Kehlkopfchakra).    

Viparita Karani Mudra – Sanfte Variation des Schulterstandes
Da bei fehlerhafter Ausführung des Schulterstandes das Risiko einer Halswirbelverletzung besonders hoch ist, sollte diese Asana nur unter Anleitung eines/einer erfahrenen Yogalehrer*in und mit entsprechenden Hilfsmitteln geübt werden.
Eine sanfte, aber ebenso wohltuende Variante des Schulterstandes ist die Asana Viparita Karani Mudra, die umgekehrte Geste. In der umgekehrten Geste positionierst du ein Kissen unter dem Gesäß, die Beine sind entspannt Richtung Decke gewandt oder lehnen an einer Wand. Auch in dieser Asana kommst du in den vollen Genuss der heilsamen Eigenschaften der Umkehrhaltung – und das ganz ohne Anstrengung.